Über einhundert Musikerinnen und Musiker, ein volles Haus, begeisterte Zuhörer und ein großartiges Spendenergebnis überstiegen die im Vorfeld gehegten Erwartungen an ein in jeder Beziehung ungewöhnliches Konzertereignis des Musikvereins 1834 e.V. Prüm. Doch der Reihe nach.

Beim traditionellen Jahreskonzert des Musikvereins stand wie gewohnt der musikalische Nachwuchs am Anfang. Unter der Leitung von Rainer Raskopp präsentierte ein bravourös aufspielendes Jugendorchester die Ergebnisse vieler Probenstunden. Die Begeisterung der jungen Musikerinnen und Musiker und der anhaltende Applaus der Zuhörer stellte einmal mehr unter Beweis, wie erfolgreich die Anstrengungen bei der musikalischen Förderung, angefangen bei den Blockflötengruppen, über das Vororchester bis hin zum Jugendorchester, beim Musikverein Prüm sind. Das wurde auch von Rheinhold Peters vom Kreismusikverband Bitburg-Prüm lobend anerkannt. Bei der Ehrung verdienter Musikerinnen und Musiker für ihre langjährige aktive Vereinstätigkeit (siehe Infobox) machte er auf humorvolle Weise deutlich, wie schwierig es für Vereine inzwischen ist, in einem Umfeld unzähliger reizvoller Freizeitaktivitäten und angesichts der heutigen schulischen und beruflichen Anforderungen ein aktives und zugleich attraktives Vereinsleben aufrecht zu erhalten.


Für die Darbietungen des Hauptorchesters wurde vom Dirigenten Thomas Rippinger erstmals in Zusammenarbeit mit Petra Theis und den Kalimba-Singers ein Programm konzipiert, das auf eine großartige Resonanz bei den über 500 Zuhörern in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Aula der ehemaligen Hauptschule Prüm gestoßen ist. Mit den Werken „Dry your Tears, Africa“ und „African Harmony“ verzauberten Chor und Orchester die Besucher mit afrikanischem Lebensgefühl, Rhythmik und Dynamik. Das Stück „Hallelujah Trail“ aus dem Westernklassiker „Vierzig Wagen westwärts“ versetzte den Saal mitten in das tubulente Tohuwabohu der Auseinandersetzungen um eine brisante Ladung Wiskey. Moderner ging es im Werk „Bohemian Rhapsody“ zu, das mit einer a cappella Einleitung der Kalimba Singers begann und, vom E-Gitarristen Nikolas Berg exzellent unterstützt, rockig und mitreißend endete. Stehende Ovationen waren der lohnende Dank des Publikums für einen unvergesslichen Abend und so durften Chor und Orchester nicht ohne zahlreiche Zugaben von der Bühne.

Der Musikverein 1834 e.V. Prüm hat in diesem Jahr keinen Eintritt erhoben und um Spenden für die Lebenshilfe Prüm gebeten, die in diesem Jahr ihr fünfzigjähriges Bestehen feiert. Mit einer Spendensumme von 2.600 Euro darf sich auch die Lebenshilfe Prüm zu den Gewinnern eines fantastischen Abends zählen.


Infobox:
Für eine langjährige aktive Tätigkeit im Verein wurden geehrt:
5 Jahre: Leonard Mans und Sandro Juchmes;
10 Jahre: Livia Lippert und Katharina Brandt;
20 Jahre: Andrea Benzel, Anne Zengerling und Stephanie Schumacher;
30 Jahre: Daniela Kops, Michaela Conen, Monika Schuler und Dunja Bormann;
Ehrennadel für 30 Jahre Tätigkeit als Dirigent: Rainer Raskopp.


Es ist schon schwer genug, sein Hobby an den Nagel zu hängen. Für einen Vollblutmusiker ist dies eine besondere Bürde. Insbesondere dann, wenn man seit nunmehr 66 Jahren mit Leib und Seele Musik gemacht hat und in seinem Verein über Jahrzehnte Verantwortung im Vorstand und zahlreichen weiteren Positionen übernommen hat. So erging es nun Rudi Raskopp, dem Urgestein des Musikvereins 1834 e.V. Prüm, am vergangenen Freitag in großer Runde bei seinem Abschied aus der aktiven musikalischen Vereinstätigkeit.
Rudi Raskopps Anfänge in der Musik liegen zu einer Zeit, als der Krieg noch tiefe Spuren in der Stadt Prüm und bei seinen Menschen zeigte. Im Jahr 1951 tat er es seinen Brüdern August, Karli und Jakob gleich und erlernte das Spiel auf einem Horn, dem er bis zuletzt treu geblieben ist. Die ersten Proben fanden noch im Saal „Kölner Hof“ statt, der nur durch eine Behelfstreppe erreicht und erst durch mitgebrachte Holzscheite notdürftig beheizt werden konnte. Es waren schwierige Verhältnisse, an die sich heute nur noch wenige lebhaft erinnern dürften.
Der erste öffentliche Auftritt von Rudi Raskopp hätte passender nicht sein können. Beim Maiwecken im Jahr 1952 konnte er zum ersten Mal sein Talent zeigen und hat über die Jahre diese vom Verein bis heute gepflegte Tradition mit Leben erfüllt. Es dauerte nicht lange bis Rudi Raskopp sein erstes Amt im Vorstand bekleidete. 1961 wurde er stellvertretender Kassierer, drei Jahre später schon stellvertretender Vorsitzender. Die Führung im Verein übernahm er mit dem 1. Vorsitz im Jahr 1971 und sollte dieses Amt 15 Jahre lang bekleiden. Danach war er nochmals als stellvertretender Vorsitzender aktiv sowie über 20 Jahre lang für die Pflege und Archivierung des umfangreichen Notenbestands verantwortlich. Für die umfangreichen Verdienste wurde Rudi Raskopp vom Musikverein bereits 1995 mit dem Ehrenvorsitz ausgezeichnet, was ihn nicht daran hinderte, als Musiker weiterhin seiner Liebe zur Musik nachzugehen. So folgte 2017 die Auszeichnung für eine 65 jährige aktive Tätigkeit - ein absolutes Novum im Musikverein Prüm.
Und nun soll Schluss sein? Nach unzähligen Höhepunkten, aber auch schwierigen Zeiten im Verein, nach tausenden von Konzerten und Auftritten innerhalb des Prümer Stadtgebiets aber auch bis weit darüber hinaus, nach Vereinsjübiläen, intensiven kameradschaftlichen Aktivitäten, Freud und Leid eines langen Vereinslebens – man mag es nicht richtig glauben. Und so hält sich Rudi Raskopp noch ein kleines Hintertürchen offen und will auch weiterhin bei den Abteibläsern ab und zu mit dabei sein. Bravo!

   
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